
Ghosting / Doppelkontur
Ghosting (Doppelkontur) zeigt sich als leicht versetzte Schatten oder Duplikate neben den eigentlichen Linien der Gravur. Ursachen sind meist optische oder mechanische Fehlstellungen: Beispielsweise kann der Laserstrahl an der Düsenausgangsöffnung reflektieren oder streuen und so eine zweite (versetzte) Linie erzeugen. Auch Vibrationen, lose Führungen oder eine zu hohe Scangeschwindigkeit können den Effekt verstärken.
Ursache: Reflektionen im Strahlengang (z.B. am Düsen-Austritt) und schlecht justierte Optiken führen zu Doppelkonturen. Ebenso kann ein unkalibriertes bzw. zu schnelles Scannen leichte Versätze verursachen.
Sofortmassnahmen: Richten Sie den Laserstrahl präzise aus (siehe ThunderLaser-Anleitung). Überprüfen Sie alle beweglichen Teile (z.B. Riemen und Führungen) auf Spannung. Reduzieren Sie gegebenenfalls die Scan-Geschwindigkeit oder führen Sie nur unidirektionales Scannen durch.
Verzug / Wärmespuren
Starkes Einbringen von Wärme kann dünne Bauteile – besonders Kunststoffe – bleibend verformen. Kunststoffe haben eine geringe Wärmeleitfähigkeit und speichern die Energie lokal, was bei Laserbeschriftung zu Verformungen führen kann. Deshalb kommt es gerade bei filigranen Teilen schnell zu Verzug oder welligen Oberflächen.
Ursache: Hohe Laserleistung oder zu enges Raster (hohe Dots-per-Inch) erzeugen übermässige Hitze. Kunststoff hält die Wärme, Bauteile verziehen sich. Auch nicht gleichmässig gespannte oder zu dünne Werkstücke neigen zum Aufbiegen.
Sofortmassnahmen: Reduzieren Sie die Laserleistung bzw. senken Sie die dpi (Engraving-Resolution), um Hitzestau zu vermeiden. Arbeiten Sie in mehreren Durchgängen mit niedrigerer Leistung und erhöhtem Abstand zwischen den Punkten. Sorgen Sie für Kühlung oder verwenden Sie Haltevorrichtungen („Wärmeabfuhr“) – z.B. Metalplatten als Unterlage oder das Beschweren der Teile nach dem Schnitt. Bei hitzeempfindlichen Kunststoffen ist ein UV- oder Hybridlaser empfehlenswert, da diese Systeme nur wenig Wärme einbringen.
Unscharfe Kanten / Ausfransen
Unscharfe Ränder entstehen, wenn der Laserstrahl nicht exakt auf der Materialoberfläche fokussiert ist oder die Optik verschmutzt ist. So warnt Omtech: Überspringt man wichtige Kalibrierungsschritte, können unscharfe Kanten und ungleichmässige Schnitte resultieren. Ähnlich empfiehlt HeatSign, bei verschwommenen Gravurbildern Linse und Röhre zu reinigen und den Fokus neu einzustellen.
Ursache: Falsche Fokussierung oder schiefe Strahlausrichtung führen zu breiten, verwaschenen Linien. Staub auf Linse/Spiegeln streut den Strahl. Auch zu niedrige Auflösung (geringe dpi) oder falsche Dateieinstellungen (z.B. zu dicke Pfade) erzeugen Ausfransungen.
Sofortmassnahmen: Kontrollieren und reinigen Sie die gesamte Optik (Linsen, Spiegel, Laserröhre). Stellen Sie den Fokusabstand präzise gemäss Herstelleranleitung ein. Erhöhen Sie bei Bedarf die Bildauflösung (dpi) und vergewissern Sie sich, dass Vektordaten (Linienstärke, Vektoren-Ausrichtung) korrekt sind. Führen Sie ggf. Testgravuren mit Probestücken durch, um den Fokus feinzustimmen.
Zu wenig Kontrast
Ein kontrastarmer Gravureindruck tritt oft auf, wenn Lasertyp, Material und Einstellungen nicht optimal abgestimmt sind. Keyence stellt fest, dass ein niedriger Kontrast meist auf falsche Parameter oder einen ungeeigneten Laser zurückzuführen ist. Beispielsweise erfordern hitzebeständige Materialien UV-Laser (Kaltbeschriftung) für guten Kontrast, während reflektierende Metalle einen Faser- oder Hybridlaser brauchen.
Ursache: Falscher Laser (z.B. CO₂ statt UV für Kunststoff, oder CO₂ für Metall) oder ungeeignete Strahlführung (defokussiert statt anlassend/fokussiert). Auch zu geringe Leistung und hohe Geschwindigkeit können die Beschriftung nur oberflächlich lassen.
Sofortmassnahmen: Wählen Sie den passenden Lasertyp: UV-Laser arbeiten „kalt“ und liefern hohen Kontrast bei Kunststoffen, Faserlaser beschriften Metalle deutlich, wo CO₂-Laser versagen. Erhöhen Sie Leistung oder verlangsamen Sie die Gravur, wenn Material und Fokus passen. Gegebenenfalls kann eine Vorbehandlung (z.B. Farbabtrag) oder Oberflächenreinigung den Kontrast steigern.
Code nicht scannbar
Wenn nach der Lasermarkierung etwa DataMatrix- oder QR-Codes nicht ausgelesen werden können, liegt das oft am Design oder an Oberflächenparametern. Ein wesentlicher Faktor ist die Ruhezone: Internationale Standards fordern einen unbedruckten Rand von mindestens einer Modulbreite (Quiet Zone) um den Code. Zudem muss die gewählte Zellengrösse (Modulgrösse) zum verwendeten Scanner passen – typischerweise innerhalb von ±40 % der Referenzgrösse (60–105 % Toleranz). Fehlender Kontrast (schlechter Licht-/Dunkelunterschied) oder eine glänzende Oberfläche können ebenso das Scannen verhindern.
Ursache: Zu kleine Codes (kleine Zellen) oder fehlender Abstand zum Bauteilrand. Ein unzureichender Quiet Zone (kein randfreier Bereich) führt zu Fehldekodierung. Auch Spiegelungen auf glänzenden Flächen, unregelmässige Tiefenprofile oder zu geringer Farbkontrast stören das Auslesen.
Sofortmassnahmen: Vergrössern Sie bei Bedarf die Codegrösse bzw. Zellengrösse. Sorgen Sie für den vorgeschriebenen Rand um den Code (kein Muster in der Quiet Zone). Erhöhen Sie den Kontrast (z.B. durch eine dunkle Färbung der Zellen und gleichmässige Ausleuchtung) – DataMatrix-Codes kommen laut Standards sogar mit nur ~20 % Kontrast aus. Entspiegeln oder mattieren Sie glänzende Oberflächen. Gegebenenfalls kann eine Verbesserung der Oberflächenvorbehandlung (Reinigung oder Beschichtung) helfen.
FAQ – Häufige Fragen
F: Mein Lasermarkierer erzeugt einen Schatten / Doppelkontur (Ghosting). Was kann ich tun?
A: Prüfen Sie zuerst die Strahlausrichtung. Oft entsteht Ghosting durch eine reflektierte oder schief einfallende Strahlführung. Richten Sie Spiegel und Düse exakt aus. Achten Sie auf feste Mechanik (Riemen, Führungen) und reduzieren Sie die Scan-Geschwindigkeit. Ein korrekt ausgerichteter Laser verhindert in der Regel Doppelkonturen.
F: Warum verzieht sich mein Bauteil durch das Laserbeschriften?
A: Warmeempfindliche Materialien (insbesondere dünne Kunststoffe) speichern lokale Hitze und verformen sich. Senken Sie die Laserleistung oder das dpi und arbeiten Sie lieber mit mehreren, schwächeren Durchgängen. Nutzen Sie im Zweifel einen UV- oder Hybridlaser (erzeugt wenig Wärme) oder zusätzliche Kühlung, um Verzug zu vermeiden.
F: Ich bekomme immer unscharfe Kanten bei der Gravur. Wie behebe ich das?
A: Stellen Sie sicher, dass der Fokus exakt sitzt. Eine leichte Fehlfokussierung führt sofort zu verwaschenen Rändern. Reinigen Sie Linse und Spiegel regelmässig – Staub streut den Strahl und verschlechtert die Schärfe. Erhöhen Sie ggf. die Auflösung (dpi) der Gravur und prüfen Sie, ob Ihre Bilddaten (Linienbreiten) korrekt sind.
F: Der Kontrast meiner Laserbeschriftung ist sehr gering. Woran liegt das?
A: Meist ist der Lasertyp oder die Einstellung falsch gewählt. Überlegen Sie, ob ein anderer Laser (UV/Faser statt CO₂ oder umgekehrt) besser passt. Für hitzebeständige Kunststoffe etwa empfehlen Hersteller UV-Laser für kräftige Kontraste. Passen Sie ausserdem Leistung und Geschwindigkeit an – mehr Energie erzielt meist dunkleren Markierungston.
F: Mein DataMatrix/QR-Code wird nicht erkannt. Was kann ich tun?
A: Überprüfen Sie die Codegrösse und den ruhenden Rand (Quiet Zone). Der Rand muss mindestens eine Modulbreite breit sein. Vergewissern Sie sich, dass die Zellen (Module) gross genug sind – Scanner verlangen z.B. mindestens 60 % der Sollgrösse. Achten Sie auf ausreichenden Farbkontrast und eine matte Oberfläche. Gegebenenfalls vergrössern Sie den Code und säubern die Gravurstelle, damit der Scanner eine klare Struktur erfassen kann.
F: Wie finde ich das Problem sonst heraus?
A: Gehen Sie systematisch vor: Kontrollieren Sie alle Parameter (Fokus, Leistung, Geschwindigkeit) in einer Checkliste. Prüfen Sie das Ausgangsmaterial (geeignete Lasermarkeignung, Oberflächenbeschaffenheit). Oft hilft es, mit Testgravuren auf Restmaterial die Einflussfaktoren einzeln auszutesten.
F: Was sollte ich generell bei der Prävention beachten?
A: Sorgen Sie für saubere Optiken (Linsen/Spiegel), stabile Mechanik und richtige Laserparameter. Beginnen Sie bei neuen Materialien oder Designs mit moderater Leistung und steigern Sie langsam. Halten Sie den Fokus sauber und überprüfen Sie regelmässig die Justierung. Mit diesen vorbeugenden Massnahmen lassen sich die meisten Fehlerbilder vermeiden.